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 Eine Stadt geprägt von Berge und Zinn

Das Vorkommen von Zinn brachte wahrscheinlich schon während der Bronzezeit die ersten urzeitlichen Ansiedler nach Graupen (Krupka). Während der Völkerwanderung wurden die Germanen von den Slawen abgelöst. Diesen kamen die Bergabhänge, genauso wie ihren Vorgängern, zweifellos gewaltig, riesenhaft vor, urslawisch „krupý“. Daraus entstand höchstwahrscheinlich erst der Name der Ortschaft und der Stadt (Krupka, deutsch Graupen). Soviel zur ältesten Geschichte des Ortes.

In den Jahren 965-966 durchreiste die böhmischen Länder eine Abordnung des Kalifen von Cordoba, al-Hakem II., zum deutschen und römischen Kaiser Otto I. Ein Mitglied des  Gefolges, der arabisch-jüdische Sklavenhändler Ibrahim Ibn Jacob hinterlieβ über diese Reise ein schriftliches Zeugnis, das sich bis heute erhalten hat. Für uns ist die Bemerkung interessant, dass aus den böhmischen Ländern Zinn exportiert wird. Es ist die erste  schriftliche Bemerkung um das im östlichen Erzgebirge gewonnene Metall.

1241 bedauert der Chronist Matthäus von Paris den Grafen Richard von Cornwall, aus dessen Gruben das englische Zinn nach Europa geliefert wurde, dass er nach Entdeckung des Metalls in unserem Gebiete das Absatzgebiet in Deutschland und vor allem in Böhmen verliert. Aus diesen beiden indirekten Berichten geht hervor, dass Zinn in der Umgebung von Krupka wirklich seit jeher gewonnen wurde.

Anfangs gewannen die Bergleute das Erz durch waschen. Sie durchgruben die Anschwemmungen mit reichem Zinngehalt und wuschen dann das Gestein an einzelnen Durchlässen an Wasserläufen unter Krupka (z.B. die schon im Mittelalter verfallene Ortschaft Kirchlice – Kirchlitz bei der heutigen St. Prokops Kirche). Sie benutzten dazu seichte Gefäβe, die sie gegen den Strom hin und her bewegten und so das Zinnerz (Kassiterit) von leichteren Bestandteilen trennten. Die Zinngewinnung aus Anschwemmungen und sein Waschen überdauerte das ganze Mittelalter. Sie hatte jedoch den Nachteil, dass sie nur das eng unter der Oberfläche liegende Gestein betraf.

Wenn die Bergleute mehr Erz gewinnen wollten, mussten sie mit dem Abbau im Felsen beginnen, zuerst durch Tagbau, später seit dem 15. Jahrhundert, im Tiefbau. Ihre Geräte waren sehr primitiv. Sie bestanden aus Hammer, Schlägel, Spitzhacke, Hacke und Schaufel. Zuerst wurde immer ein schmaler und niedriger Gang vorgetrieben, der dann weiter verbreitet wurde. Dazu wurde Feuer benutzt. Dieses verursachte das Zerspringen des Gesteins, welches dann leichter abgebaut worden konnte. Die Überreste solcher Tätigkeit, verschüttete Schächte, so genannte Pingen, finden wir am ganzen Abhang unter dem  Mückenberg.

Auch das Zinnwaschen vervollkommnte sich allmählich. In einem Wassergraben mit schnell flieβendem Wasser sammelte sich das schwere Erz am Boden eines kleinen Dammes, während die leichten Bestandteile fort schwammen. Das gewonnene Zinnerz wurde zuerst gebrannt, um es des Schwefels und Arsens zu entledigen, dann wurde es in eine mit Holz belegte Grube gegeben und die oben aufgeschüttete Holzkohle zerschmelzte das Metall, das am Boden blieb. Später wurden zum Schmelzen hohe und enge Öfen mit schiefem Boden benutzt.

In der Umgebung der Lagerstätten versammelten sich die Bergleute und errichteten allmählich ihre Siedlung. In ihr setzten sich Handwerker und Kaufleute an, die mit ihren Erzeugnissen und Diensten die Versorgung der Ortschaft und ihrer Umgebung sicherten.

Im Jahre 1330 wird in einer Urkunde Königs Johann von Luxemburg von Graupen als einer Stadt gesprochen. jedoch noch 1305 wird von ihm gesagt, es sei ein Ort, „wo jetzt gegraben wird“. Daraus geht hervor, dass irgendwann zwischen diesen Daten, etwa in den Jahren   1310-1330, Graupen zur Stadt wurde.  Sie war im Besitz des sächsischen Kolditz- Geschlechtes, welches Eigentum im Königreich kaufte und zum dauernden Anhänger der böhmischen Herrscher wurde.

Zu dieser Zeit erhob sich über der Stadt die Burg, von den Kolditzern gegründet, auf Anregung Königs Johann von Luxemburg als Grenzfestung. Seit Anfang des 14.Jh. stand auch schon an einem alten Handelswege aus Böhmen nach Sachsen die Geiersburg (Kyšperk erstmals 1319 erwähnt). Die romantischen Silhouetten der beiden Ruinen inspirierten zu einer Reihe von Sagen. Eine von ihnen erzählt von der Liebe der hübschen Dona von Rosenburg zum Ritter von der Geiersburg, die tragisch endete. Der junge Ritter stürzte bei seiner Flucht vor den Bewaffneten des erbosten Dona´s Vaters mit seinem Pferde vom Totenstein gegenüber der heutigen Wilhelmshöhe.

Kehren wir jedoch von den sagenhaften Träumen zur Wirklichkeit zurück. Auβer den zwei erwähnten Burgen lagen in der Nähe der Stadt zwei  Festen. Einerseits stand unter Graupen ein Kastell mit rundem Turm, umgeben von einem Wassergraben, genannt Althof, dessen Überreste bis heute erhalten blieben, andererseits lag im heutigen Bohosudov (Mariaschein) die Festung Šejnov, vernichtet während der Hussitenkriege.

Die Stadt hatte zu jener Zeit eine Selbstverwaltung. Sie richteten, ähnlich wie alle nordböhmischen Städte, nach dem Magdeburger Recht. Der Abberufungsstuhl war in Leitmeritz, dessen Stadtrat Belehrung in unklaren Rechtsfällen leistete. An der Spitze des Graupener Stadtrates standen ursprünglich ein Vertreter der Obrigkeit, der Richter und die gewählten Schöffen. Von der Bedeutung des Städtchens zeugt die Existenz der Kirche, die zum Jahr 1383 belegt ist.

Zum Ende dieses Jahrhunderts konnten die Kinder der Graupener Bürger und der umliegenden Ortschaften die lateinische Schule besuchen. Es betraf Maršov und Unčín (erste Erwähnung 1335), Habartice, wo schon 1376 eine Kirche stand, Soběchleby (erste Erwähnung 1325) und nicht zuletzt auch Cínovec (Zinnwald, seit 1378). Der älteste von diesen Orten ist wahrscheinlich Unčín. Es ist ein typisches Runddorf, d.h.. ein Dorf erbaut im Kreis um den Dorfplatz. Solche Typen von Menschensiedlungen entstanden im 10. und 11. Jh. Der Name bedeutet Unk´s Dorf, ähnlich wie Maršov Mareš´s Dorf bedeutet.
Südlich der St. Prokops Kirche, von welcher heute nur eine Ruine erhalten blieb, existierte damals die Ortschaft Kirchlice. Sie ist zum Jahr 1331 belegt. In ihr lebten Bergleute, die Zinn wuschen.

Die erwähnten Ortschaften zeugen für eine slawische Besiedlung. Zusammen mit der Entfaltung des Bergbaus kamen jedoch neue Ansiedler, überwiegend von der sächsischen Seite. Die Stadt bekam allmählich einen deutschen Charakter. Aus groβen Bergunternehmern entstand der Groβteil des Stadtpatriziats. Die Reichsten von ihnen war die Familie Glatz, die 1471 von Kaiser Friedrich III auf dem Reichstage in Regensburg als "Glatz von Althof" in den Adelsstand erhoben wurde, Sie besaßen viele Gruben, Althof und weiteres Eigentum. Nach den Hussitenkriegen kaufte sie 1520 sogar die Geiersburg mit ihrer Herrschaft. Die Burg brannte jedoch 1526 ab und zum Zentrum der Herrschaft wurde Sobochleben. Zum Ende des 14. Jh. gehörte diese Burg dem Prager Erzbischof Jan von Jenštejn, der in einen Konflikt mit König Wenzel IV. geriet. Als der betrunkene und wütende König am 20.3.1393 seinen Generalvikar Johann von Nepomuk zu Tode martern und in Moldaufluss werfen lieβ, floh der Erzbischof und suchte vor des Königs Zorn Zuflucht gerade auf dieser seiner entlegenen Burg.

Aber kehren wir zum Bergbau zurück. Alle selbständigen Unternehmer wurden nicht reich. Die Mehrzahl von ihnen waren sog. Lehenbergleute, die zu Mitbesitzern von Berggewerkschaften wurden. Sie gehörten zwar zu den direkten Untertanen des Königs, waren also frei und lebten im Rahmen der Verhältnisse gut, aber zu den Reichen gehörten sie jedoch auf keinen Fall. Zu den ärmsten reihten sich dann die Lohnbergleute und die Stadtarmen ein.

Die Bergleute hatten ein hartes Leben und erlebten so manches bei ihrer Arbeit. Sie erzählten sich davon und die gelungensten Begebenheiten wurden von Generation auf Generation übergetragen. Es entstanden Sagen. Eine davon erzählt von einem armen Bergmann, der täglich in die Berge stieg und Erzgänge suchte, um aus ihnen Erz zu gewinnen. Es gelang ihm nicht viel. Und so nahm er das Angebot eines Koboldes an, der ihn zu reichen Fundorten führen wollte, soweit er immer mit ihm teilen und darüber schweigen würde. Dann ging es ihm und seiner Familie gut. Nach einiger Zeit verriet er jedoch auf drängen der Nachbarn das Geheimnis, kam um seinen geheimnisvollen Lebensunterhalt und starb bald. In dieser  Erzählung spiegelt sich das harte alltägliche Leben der Bergleute ab. Das Zinn brachte nicht nur Mittel zur Ernährung, sondern auch Mühe und Sorgen.

Dazu traten Krankheiten, Brände und Kriege. Die längsten mittelalterlichen Kämpfe in unserer Geschichte, die Hussitenkriege, betrafen Krupka genauso wie das ganze Land. Sein Besitzer Albrecht von Kolditz stand auf der Seite des Königs Siegmund.  Die Hussiten kamen  erst im Juni 1426 zur Stadt. Nach der siegreichen Schlacht bei Ústí (Aussig) verfolgten sie die sächsischen Kreuzritter bis zur Geiersburg und bei Krupka haben sie 300 von ihnen erschlagen. Die Hussiten waren noch 1429 vor Krupka und im April 1433 eroberten sie die Burg und Stadt. Zu dieser Zeit endeten jedoch schon die Hussitenkriege und es begann die Gipfelzeit der Bergstadt.

Aufschwung der Stadt im 15. und 16. Jahrhundert

Nach den Hussitenkriegen erlebte Krupka eine Blütezeit, aus dem Städtchen wurde allmählich eine wirkliche Stadt. Dies hing mit der groβen Entfaltung der Zinngewinnung zusammen, die sich im Vergleich mit der ersten Hälfte des 15. Jh. verdreifachte und im Verlauf des folgenden Jahrhunderts noch um eine Hälfte anwuchs. In der Graupener Umgebung förderte man schon schwieriger, denn es war nötig in gröβere Tiefen zu gehen. Deshalb vergröβerte sich das Abbaugebiet weiter bis Zinnwald (Cínovec) und später in Richtung Eichwald (Dubí).

Die Bedeutung der Stadt als Bergbauzentrum wuchs. Davon zeugt die Bergordnung, die sich in Abschrift aus dem Jahr 1487 erhalten hat. Sie ist auf der Basis des Inglauer- Kuttenberger Rechtes formuliert und hat auch sächsische Einflüsse.

Die Graupener Unternehmer (Glatzer, Böhmer, Stengel und weitere) gewannen Anteile am Bergbau in Altenberg und Geising. Die Bergunternehmer aus Sachsen (vorwiegend aus Freiberg) kauften wieder Anteile in Krupka. Anteile hatten auch fremde Obrigkeiten, z.B.   die Priorin des Klosters in Světec (Schwaz) oder Peter von Rosenberg. Die Graupener Gewerken und Händler unterhielten Verbindungen besonders mit Freiberg, weiter mit Bautzen, Breslau, Berlin, Nürnberg, Regensburg, Augsburg, Chemnitz, Dresden, Meiβen, Görlitz, Erfurt, Stettin und Frankfurt an der Oder. Diese Verbindungen erleichterten ihnen die englische Konkurrenz zu überwinden und half ständige Absatzgebiete aufrecht zu erhalten.

Am 8. Januar 1477 erteilte Thema von Kolditz der Stadt ein Privilegium und sorgte für die Bestätigung durch den König ein Jahr später. Er bestätigte hiermit das Bierbrau- und Bierschankrecht nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Nachbardörfern, erlaubte den Bau einer Bierbrauerei, Wochenmärkte, verlieh der Stadt eine Gemeindewaage und ermöglichte den Bürgern mit Salz zu handeln. Im folgenden Jahr, am 13. Januar 1478, stellte König Ladislaus II. eine Wappenurkunde aus, die der Stadt Wappen, Siegel und das Recht mit rotem Wachs zu siegeln, erteilte, weiter Jahresmärkte, das Recht den Bürgermeister, den Rat und Stadtbeamte einzusetzen (es entschied also nicht mehr der Obrigkeitsrichter) und die Zollfreiheit auf Reisen. Aus dem Privilegium geht zwar hervor, dass Krupka (Graupen) auch weiterhin eine Untertanenstadt blieb, sie hatte jedoch einige Privilegien, welche für diese Art von Städten nicht üblich war – z.B. das Recht mit rotem Wachs zu siegeln.

Krupka (Graupen) konnte seit dieser Zeit auf sein sehr schönes Stadtwappen stolz sein. Das quergeteilte Schild hat die Oberhälfte senkrecht geteilt. In ihrem heraldisch rechten Teil ist auf rotem Feld ein einschwänziger Löwe mit goldenen Krallen abgebildet, mit Zunge und Krone am Kopf im Sprung nach rechts. Den heraldisch linken Teil füllt der Kolditz- Wappen, also ein über die Brust sichtbarer schwarzer einschwänziger Löwe ohne Krone auf goldenen Feld, unter dem sich sechs schräge, abwechselnd schwarze und goldene Streifen befinden.  In der unteren Schildhälfte kniet auf linkem Bein an grauem Felsen ein das Zinnerz gewinnender Bergmann, gekleidet in weiβem Kittel, in braunen Schuhen, nach rechts gewandt, mit silbernem Schlägel in der rechten und silbernem Hammer in der linken Hand.

Eine sehr wichtige Bestimmung im Privilegium des Thema von Kolditz war das Braurecht und die Zustimmung zum Bau der Brauerei. In der Stadt existierten zu dieser Zeit 80 Häuser mit Braurecht. Ihre Besitzer durften Bier brauen, jedoch nicht alle auf einmal, sondern in bestimmter Reihenfolge. Sie dingten dazu einen Brauer. Dieser braute zuerst in einzelnen Häusern, seit 1497 in der neuen Brauerei. Das Bier wurde entweder in der Stadt verbraucht, oder in die umliegenden Dörfer geliefert, in denen Graupen das privilegierte Braurecht hatte. Im Jahre 1477 betraf es die Orte Rosenthal, Mückenberg, Müglitz, Voitsdorf, Ebersdorf, Schönwald, später kam dazu Obergraupen, Větrová, Růžová, Tischau, Pihanken, Zinnwald und Eichwald.

Da die bergige Lage in der Stadtumgebung für die Landwirtschaft nicht günstig war, wurde der Bedarf an Getreide und Lebensmittel teilweise durch Einfuhr gedeckt. Es handelte sich um Hopfen und Malz (der wurde vor allem aus Bilin, zu einigen Zeiten auch aus Leitmeritz geliefert), weiter um Getreide, Brot, Talg und Fleisch. Heute kommt es uns unglaublich vor, dass sich in der Umgebung von Krupka 12 Weinberge seit dem 16. Jahrhundert befanden.   Um die materiellen Bedürfnisse der Bergleute und der übrigen Bürger sorgten Angehörige einiger Handwerkerzünfte – es handelte sich um Schmiede, Fleischer, Kannengieβer, Schuster, später Bäcker und Leinweber. Das hiesige Bergbaumilieu erforderte eine auβerordentlich verzweigte Schmiedezunft, die auβer den eigentlichen Schmieden auch Zinngieβer, Nadler, Wagner, Goldschmiede, Kupferschmiede, Messerschmiede, Plattner, Sensenerzeuger, Klempner und Schlosser einschloss. Auch die Kannengieβerzunft benutzte zweifellos zu ihrer Tätigkeit häufig das gewonnene Zinn. Die Handwerker verkauften ihre Erzeugnisse nicht nur in der Stadt, zudem sie die Wochenmärkte und zwei Jahrmärkte ausnutzten, sondern auch in Teplice, Bílina, Ústí (Teplitz, Bilin, Aussig) und im benachbarten Sachsen.

Die Stadt bestand in dieser Zeit im Grunde aus dem heutigen historischen Kern, d.h. der verbreiteten Husitská- Straβe (früher Kolditzstraße), einen engen Platz bildend, auf den sich die Vorderfront der Häuser befindet, die alle auf engem gotischen Grundriss stehen.  Die Gebäude waren meistens aus Holz oder Fachwerk, mit gotischen, später Renaissancegiebeln. Oben begrenzte die Stadt das Dresdner Tor, dessen kleine Reste bis heute zu sehen sind. Unten konnte man dann die Stadtmauern durch das Tor in Nähe der Spitalkirche zum Hl.Geist verlassen, das erst im Jahre 1851 beseitigt wurde. Es lebten hier etwa 700 Einwohner in 70 Häusern. Auβerdem lag unter dem unteren Tor die Vorstadt mit   27 Häusern, wo weitere 200 bis 300 Leute wohnten.

Die Bürger waren eifrige Katholiken, deshalb äuβerte sich das Aufblühen ihrer Kommunität im Bau von einigen Kirchen. 1454 wurde das Spital mit der Kirche zum Hl. Geist erbaut, um zwanzig Jahre später entstand das neue Minoritenkloster im oberen Stadtteil und in weiteren zwanzig Jahren wurde zu ihm eine Klosterkirche zugebaut. Im Jahre 1479 brannte die ganze Stadt aus. Es war nicht zum ersten Mal – und leider auch nicht zum letzten Mal. Dabei nahm auch die alte gotische Kirche Mariä Himmelfahrt aus dem 14. Jahrhundert ihr Ende. An ihrer Stelle wurde 1488 das neue Pfarrgebäude erbaut, das hier, nach barockem Umbau, bis heute steht. 1516 wurde die St. Anna Kirche am Friedhof gebaut. Damals kam nach Böhmen schon die Renaissance, die sich auch an einigen Giebeln der Bürgerhäuser und an der Entfaltung der Stadtschule äuβerte. Die Stadt entwickelte sich auch im 16.Jahrhundert. Aus Sachsen drang die Lutherlehre ein. Dies ist an der Innendekoration der St. Anna Kirche zu sehen, wo sich auf einer alten Wandfreske die Gestalt Martin Luthers erhalten hat. Das Selbstbewusstsein der Bürger wuchs, deshalb war es ihnen zuwider, unter die Untertanenstädte zu gehören. Das ganze 16.Jh. bemühten sie sich, eine freie königliche Stadt zu werden. 1579 kaufte die Gemeinde die ganze Graupener Herrschaft mit der Burg und es schien, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. 1615 schenkte jedoch König Matthias die Stadt mit allen Rechten an Adam von Sternberg. Das hing mit der Tatsache zusammen, dass die hiesigen Bürger Lutheraner waren und der katholische König und Kaiser die Stadt seinem Glaubensgenossen übergab. Die Bürger wehrten sich gerichtlich, der Prozess verlief unglaublich lang, in den Jahren    1616-1715, ihre Rechte erlangen sie jedoch nur zu geringem Teil.

In dieser Zeit hatte Krupka seinen Zenith schon hinter sich. Dazu stellten sich die Graupner Bürger während des Ständeaufstandes auf die Seite der erfolglosen böhmischen Stände, die ihnen die Herrschaft wieder zum Verkauf anboten. Die Bürger brachten schwer die nötige Summe von 9000 Talern zusammen und wurden wieder frei. Jedoch nicht auf lange Zeit. Nach Niederlage des Ständeaufstandes kam Adam von Sternberg zurück, der dem Habsburger Herrscher treu blieb. Die Graupner wurden wieder seine Untertanen.

Im Verlauf des 15. und 16. Jh. entwickelten sich auch die benachbarten Dörfer. Maršov (Marschen) und Unčín (Hohenstein) existierten schon in der Vorhussitenzeit. 1463 kommt die erste Nachricht über Vrchoslav (Rosenthal) vor. In allen angeführten Dörfern betrieben die Bewohner überwiegend Landwirtschaft, die Rosenthaler beteiligten sich auch am Bergbau.

Die Gebirgsdörfer Fojtovice (Voitsdorf), erster Bericht 1446, und Mohelnice (Müglitz), zuerst 1477 angeführt, entstanden im Zusammenhang mit dem Bergbau. Das geförderte Gestein konnte nämlich nicht weit gefahren werden und zu seiner Bearbeitung brauchte man viel Wasser. Deshalb wurden am Mohelnice (Müglitz)-Bach Erzaufbereitungsanlagen, Mühlen, Hütten erbaut und die Arbeiter lieβen sich in den beiden Ortschaften nieder. Der Name Fojtovice (Voitsdorf) zeugt dafür, dass der Ort während der deutschen Kolonisierung entstand. Das Dorf gründete ein Vogt (Richter) und daraus entstand der Name Voitsdorf.  1469 schloss König Georg von Poděbrady mit den sächsischen Fürsten den Egerer Vertrag, der die Grenze zwischen Böhmen und Sachsen festlegte. Der Groβteil der Zinngewinnung blieb auf der böhmischen Seite, die Bewohner von beiden Seiten blieben jedoch weiterhin in engem Kontakt, überschritten oft die Grenze und erleichterten sich gegenseitig den Lebensunterhalt.

In der Nähe von Fojtovice (Voitsdorf), unter dem Komáří vížka (Mückenberg), wurde in der Vergangenheit Bergbau betrieben. Der Abhang unter dem heutigen Restaurant ist von alten Stollen durchdrungen. An seiner Stelle stand früher ein Glockenturm, wo er den Bergleuten den Beginn und das Ende der Arbeitszeit mitgeteilte. Unter dem Gipfel wurde in den Jahren 1692-1700 eine Barockkapelle erbaut, geweiht dem heiligen Wolfgang, dem Patron der Bergleute. Angeblich lebte er hier einige Zeit und bevor er fort gegangen ist, segnete er die hiesigen Wälder und seitdem wachsen hier besonders groβe Heidelbeeren!
Später wurde der Wolfgang zum Regensburger Bischof und in dieser Würde setzte er im Jahre 973 die Errichtung des Prager Bistums durch. Die Sage über seinen Aufenthalt und Segen überlebte Jahrhunderte. Es wurden einst am Mückenberg vor der Kapelle Heidelbeerwallfahrten veranstaltet.
Zum Komáří vížka (Mückenberg) bindet sich jedoch auch die sittenlehrende Sage vom bösen Räuber, der in den umliegenden Wäldern lebte und den Bewohnern im Tal alles auf was er kam, stahl. Einmal nahm er auch einer armen alten Frau ihre einzige Kuh. Als sie ihren Besitz suchen ging, begegnete sie einer mächtigen Zauberin. Dieser tat die arme Frau leid und sie rief auf den rücksichtlosen Räuber eine Riesenmenge von Mücken herbei, die ihn zu Tode stachen. Die Kuh kehrte nach langem Irren zur armen Frau zurück. So wurde das böse bestraft und das Recht siegte.

Kehren wir jedoch von den Bergkämmen und ihren Sagen zurück ins Tal. Im 16. Jahrhundert begann im heutigen Bohosudov (Mariaschein) eine weitere Tradition, konzentriert auf die Kirche der Schmerzhaften Mutter Gottes.

Entstehung von Mariaschein (Bohosudov) und seine Wallfahrtstradition

Damit wir den Beginn dieser Tradition finden, müssen wir erneut in die frühere Vergangenheit zurückkehren, in die Zeit der Hussitenkriege. Nach der Schlacht bei Ústí (Aussig) verfolgten die Hussiten die fliehenden sächsischen und lausitzer Ritter und im Raum des heutigen Mariascheins töteten sie angeblich dreihundert von ihnen. Die Nachkommen der gefallenen Ritter erbauten eine Kapelle, später entstand eine Kirche.

Nach den Hussitenkriegen wurde die Feste Šajn – Scheune erneuert. Diese Bezeichnung ist deutsch. Um das Jahr 1500 entstand rings um die Feste ein Dorf und unter seinen Einwohnern entstand eine weitere Sage, die die Hussitenzeit betrifft.

Als die Hussiten das Kloster in Světec (Schwaz) niederbrannten (in den Jahren 1421-1426), verbargen sich die fliehenden Nonnen in den Wäldern bei Krupka. Sie nahmen nichts mit, nur eine kleine Statue der Mutter Gottes. Eine nach der anderen starb unter den schwierigen Bedingungen, in denen sie leben mussten. Die letzte von ihnen verbarg das Kleinod im Stamm einer hohlen Linde. Die Statue lag hier eine lange Zeit. Erst später sichelte in der Nähe der Linde eine Magd Gras. Plötzlich umwand eine Schlange ihren Arm. Das Mädchen schrie auf und erhob den Arm mit der Schlange in Richtung des Baumes. Auf einmal erschien in der Krone der Linde das leuchtende Bild der Gottesmutter und die geblendete Schlange fiel schnell ins Gras ab. Die Magd erzählte es den Leuten im Dorf, die glaubten dass die Engel die Statue in den Baum übertrugen, erbauten an der Stelle eine Kapelle die man später in eine Kirche umbaute, zu welcher regelmäβige Wallfahrten stattfanden.

Soviel die Sage. Sicher ist, dass im Jahre 1587 in die hiesige katholische Kirche Jesuiten aus dem Komotauer Kollegium berufen wurden, um den Graupner Lutheranern zu begegnen. Sie bemühten sich auf die Einwohner zu wirken. 1610 fand die erste Wallfahrt statt. Nach dem dreiβigjährigen Krieg erwarb der kaiserliche Oberst Alexander Regnier aus Bleileben die Herrschaft von Soběchleby (Sobochleben), früher Kyšperk (Geiersburg) benannt. Er starb bald darauf. Seine Gemahlin, Maria Anna von Bleileben, unterstützte ausgiebig die Jesuiten. Als sie 1665 starb, vermachte sie ihnen, bzw. der Kirche, ihr ganzes Eigentum. Die Jesuiten errichteten davon eine Stiftung, mit welcher sie ihre Missionstätigkeit unterstützten, vor allem jedoch gründeten sie aus ihren Erträgen im Jahre 1679 das Gymnasium.

Die gewonnenen Finanzmittel benutzten sie auch zum Bau der neuen Barockkirche der Schmerzhaften Mutter Gottes zu Mariaschein. Sie luden dazu die hervorragenden Architekten italienischen Ursprungs Giulio und Octavio Broggia ein, die in Litoměřice (Leitmeritz) lebten. Sie erbauten in den Jahren 1701-1706 eine schwunghafte Barockbasilika mit zwei aus weiter Umgebung sichtbaren prismatischen Türmen, umgeben von einem Kreuzgang mit sieben Kapellen, welche die sieben Schmerzen der Mutter Gottes symbolisieren. Der Wallfahrtsort bekam dann einen neuen Namen – Mariaschein, der sicher angemessener war als der frühere Name Scheune. Der tschechische Name Bohosudov erschien erst im Jahre 1848 in der Beschreibung des böhmischen Königreiches von Palacký.

Die Dunkelzeit nach dem Weiβen Berge

Der Dreiβigjährige Krieg beschleunigte den Fall, welchen die Bergstadt Krupka (Graupen) schon zu Ende des 16. Jahrhunderts zu spüren begann. Im Verlauf des Krieges durchzogen die Stadt kaiserliche, schwedische und sächsische Heere und die Bürger zahlten immer garstig darauf. Am schlechtesten wurde die Stadt im Jahre 1631 betroffen, als sich durch sie die Sachsen zurückzogen. Um die nachfolgende kaiserliche Armee aufzuhalten, zündeten sie 60 Häuser an. Es ist dann kein Wunder, wenn nach Beendigung des Krieges 1654 ein Drittel der 159 Häuser verlassen blieb.
Auch die Bergwerke waren verkommen und es fehlten erfahrene Arbeitskräfte. Die Stadt versuchte den Bergbau in früheren Umfang zu erneuern, es gelang ihr jedoch nicht viel. Den Abbau betrieben meistens kleine selbständige Unternehmer und teilweise auch die Obrigkeit. Diese fing an von den Bergleuten Zehente zu erheben. Die Versuche um Untertänigkeit der Bergleute, verbunden mit ihrer gewaltsamen Rekatholisierung, vertrieben viele erfahrene Fachmänner – Lutheraner - in das benachbarte Sachsen.

Der Stadt gedieh es auch nicht sehr, als sie bis Anfang des 18. Jh. Prozesse um Bestätigung ihrer Privilegien führen musste. Die Sternberger entnahmen ihr im Jahre 1635 alle Originalurkunden. Sie gaben sie erst nach Entscheidung Kaisers Leopold II. im Jahre 1696 zurück. Als im Jahre 1708 die Teplitzer Clary-Aldringen die Graupen-Herrschaft kauften, zogen sich die Streite auch weiterhin, bis 1715. Die Stadt erhielt sich zu jener Zeit noch immer ihren mittelalterlichen Charakter, die Handwerker vereinigten sich noch immer in Zünften, die nur eine Produktion auf Bestellung ermöglichten. Eine Ausnahme bildete nur    die Zunft der Strumpferzeuger, gegründet 1753, deren Meister auch auβerhalb der Stadt arbeiteten. Weiter prosperierten am meisten die Leinweber und die Schuster. Diese positiven Seiten in der Entwicklung der Stadt betreffen jedoch erst das 18. Jahrhundert.

Die gröβte Katastrophe in den Jahrhunderten nach dem Dreiβigjährigen Krieg brachte die Pestepidemie im Jahre 1680. Während eines Besuches in Prag steckte sich ein Hausinhaber aus dem oberen Stadtteil, genannt Grund, mit Pest an. Die Krankheit übertrug sich auf seine ganze Familie deren Mitglieder alle starben. Wie es zu jener Zeit üblich war, wurden die Türen und Fenster zugeschlagen und das Haus so unzugänglich gemacht. Das verhinderte jedoch nicht die Diebe einzudringen und auβer der Beute auch die Krankheit in die Stadt zu bringen. Seit April bis Dezember erlagen dann der Epidemie 327 Menschen, also etwa ein Drittel der Bevölkerung. Das Ende schrieben die Bürger der Fürbitte des hl. Franz von Xaver zu, denn die Pest endete nach Überlieferung am Feiertag dieses Heiligen, am 3. Dezember. Deshalb wurde jedes Jahr dieses Fest gefeiert und im Jahre 1717 wurde dem Franz von Xaver eine Statue in der Husitská Straβe enthüllt.

Im Verlauf des 17. Jh. wuchs die Stadt nicht, ein gröβerer Aufbau begann erst im folgenden Jahrhundert. 1787 hatte Krupka 205 Häuser. Dessen Barockfassaden zeigten das damalige ästhetische Empfinden. Davon, dass die Stadt nicht sehr reich war, zeugt die Tatsache, dass in ihr trotz starkem Rekatholisierungsdruck keine Barockkirche entstand. Das Zentrum des religiösen Lebens wurde nach Mariaschein übertragen.

Die dortige Kirche der Schmerzhaften Mutter Gottes wurde zum Ziel berühmter Wallfahrten, organisiert von den Jesuiten. In den Jahren 1720-1730 beteiligten sich an ihnen jährlich um 100 000 Menschen. Die wirtschaftliche Grundlage der Missionserfolge der Jesuiten war das erfolgreiche Wirtschaften auf der Sobochlebener Herrschaft. Bei ihrer Leitung versuchten sie die Erträge auch auf neue Weise zu erhöhen. 1684 errichteten sie in Sobochleben die erste konzentrierte Manufaktur in Böhmen zur Erzeugung von Tuch und verschiedener Wollstoffe, Schleiern, Borten, Leinenschnuren usw. In den neu erbauten Gebäuden beschäftigten sie Lohnarbeiter. Die Manufaktur prosperierte jedoch nicht, und deshalb wurde sie 1688 einem Johann Daniel Croff aus Dresden verpachtet, der im Jahre 1688 bankrottierte.

Auf die Berühmtheit des Mariascheiner Wallfahrtsortes zeigt auch die Tatsache, dass unter den Pilgern auch hochgestellte Leute, besonders vom sächsischen Adel kamen. Seit Mitte des 18. Jh. hatten alle Besucher die Möglichkeit auf einem Felshügel über dem Ort unter der heutigen Kalvarie, eine Barockkapelle zu besuchen und seit Ende des 19. Jh. den Kreuzweg mit 14 Kapellen durchzuwandern, an denen Christus einzelne Standorte seines Kreuzweges abgebildet sind. Mit Hilfe der hiesigen Jesuiten wurde die Katholisierung der sächsischen Kurfürstenfamilie, die sich um den polnischen Thron bemühte, vorbereitet. Ihre Angehörigen besuchten oft das Teplitzer Bad und pilgerten dabei nach Mariaschein (Bohosudov). Unter sie gehörte auch Friedrich August II., der im Jahre 1697 zum katholischen Glauben übertrat und zum polnischen König, unter den Namen August II. wurde. Sein Sohn August III. machte viermal eine Wallfahrt nach Mariaschein (Bohosudov) für seine Heilung.

Die Barockbasilika und die später erbaute Jesuitenresidenz waren nicht nur ein Zentrum des religiösen Lebens, sondern stellten auch ein Zentrum der Bildung und Kultur dar. Dem Kirchenraum dominieren eine geschnitzte Kanzel und der Hochaltar von Franz Tollinger aus dem Jahre 1714, der an eine Miniatur des Altars im St. Petersdom in Rom erinnert. An den Wänden hängen zahlreiche Gemälde. Unter ihnen hervorragende Werke von Ignaz Raab. Wir dürfen nicht den Maler Benedikt Kern vergessen, der sich in Krupka ansiedelte. Das Mariascheiner Gymnasium besuchte der Komponist Johann Lohelius Oehlschlägel. Vor der Mitte des 18.Jh. wirkte er in der Kirche als Organist. Später trat er in den Prämonstratenserorden ein und wurde schlieβlich Chordirektor im Strahovkloster in Prag.

Erfolgreich setzte die Tätigkeit der Sobochlebener Stiftung fort. Als im Jahre 1769 die Jesuitenresidenz abbrannte, machte es den Betroffenen kein Problem sie 1773 erneut zu erbauen und zu vergröβern. Niemand ahnte jedoch zu dieser Zeit, welche Katastrophe die Jesuiten begegnet. Im gleichen Jahr 1773 wurde der Orden aufgelöst und mit ihm endete auch auf lange Zeit die Tätigkeit des Gymnasiums. Einer der Kommissionsmitglieder, die in Mariaschein den Nachlass des Jesuitenordens übernahm, war Ferdinand Kindermann, ein Schulreformator und später Bischof von Leitmeritz. Dieser setzte durch, dass hier 1779 eine so genannte Hauptschule mit Vorbereitung für Lehrer errichtet wurde. Das Kirchengymnasium wurde an diesem Orte erst nach Erneuerung des Jesuitenordens im Jahre 1853 wieder eröffnet.

Die Tradition der Wallfahrten hielt sich jedoch auch in den folgenden Zeiten aufrecht, als sich die Leute und die Landschaft in einer bisher ungesehenen Weise veränderten.

Krupka in der Industrieepoche

Während der ersten Hälfte des 19.Jh. zeugte hier nicht viel für gröβere Änderungen. In der Umgebung entstanden zwar die ersten Braunkohlenschächte, der idyllische Charakter der Gegend und die Lebensweise blieben jedoch inzwischen unberührt. Die Pilger belebten weiterhin durch ihre Anwesenheit die Marienwallfahrten und aus dem benachbarten Bad Teplitz, das damals seine gröβte Blütezeit erlebte, kamen zahlreiche Gäste her.

Eines schönen Nachmittags am 27. Mai 1813 besuchte Mariaschei (Bohosudov) und Graupen  der „Düchterfürst“ J.W.Goethe. Seine Eindrücke teilte er den Lesern in seinem Artikel „Aus Teplitz“ mit. Er spricht darin mit Bewunderung über die Mariascheiner Basilika.        Die Kirche war jedoch nach dem Fortgang der Jesuiten etwas vernachlässigt, und deshalb bemerkt Goethe: „Schein würde wahrscheinlich völlig vermorschen, wenn der fromme Sinn einiger Gläubiger seine Tore nicht öffnen und durchlüften würde“. Er war nicht der einzige berühmte Besucher. Nach Graupen kamen einige Mal der groβe Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt, der Komponist Richard Wagner, die Kaiserin Marie-Louise und andere.

Die Gäste, die Graupen besuchten, konnten nicht nur die schwunghafte Schönheit der Mariascheiner Kirche und das Malerische der mittelalterlichen Graupener Gäβchen bewundern, sondern auch die schnell fast zum Himmel aufsteigenden Bergabhänge.  Aus ihnen trat die romantische Silhouette der Burg hervor, die Rosenburg hieβ. Auf einer unweiten bewaldeten Höhe über Hohenstein erweckten die steinernen Ruinen der Geiersburg das Gedenken an die Vergangenheit. Vom Kalvarienberg bot sich eine wunderschöne Aussicht auf (Mariaschein. Wenn jemand den Mut und die Kraft fand bis auf den Bergkamm oder sogar bis auf den Mückenberg hinaufzusteigen – und unter solchen befanden sich viele berühmte Menschen – erblickte er vor sich eine groβartige Aussicht auf die breite Gegend, im Hintergrund von den Kegelbergen böhmisches Mittelgebirge begrenzt.

Die Ruhe im Ort störten erst die Kriegsereignisse im Sommer 1813. Am 29. und 30. August fand bei dem nahen Kulm eine Schlacht statt, in welcher die Armee des napoleonischen Generals D. Vandamme, die nach Böhmen einzudringen versuchte, geschlagen wurde. Vorher besichtigte angeblich Kaiser Napoleon selbst die Lage, als er die Bergortschaft Ebersdorf besuchte. Die Franzosen mussten sich nach Sachsen zurückziehen. Graupen wurde von der Schlacht nicht betroffen, aber Mariaschein wurde von den siegreichen Verbündeten geplündert. Gleichzeitig wurde die Feste in Sobochleben vernichtet und die Herrschaftsverwaltung wurde dann nach  Mariaschein übertragen. An die Schlacht und Zehntausende von Gefallenen erinnern einige Denkmäler in der Umgebung von denen auf Graupener Gebiet, das russische Denkmal steht. Es wurde im Jahre 1835 unter Anwesenheit der Herrscher Russlands, Österreichs und Preuβens enthüllt.

In jener Zeit wurden hier zwei Persönlichkeiten geboren, deren Bedeutung weit die Region, aus der sie stammten, überschritt. 1812 erblickte in Obergraupen das Licht der Welt Ferdinand Arlt (1812-1887), der Gründer der modernen Augenheilkunde. 1849 wurde er Professor für Augenheilkunde an der Universität Prag. Von 1856 bis 1883 war er Professor an der Universität Wien sowie Leiter der Augenklinik. Sein Lehrbuch „Die Krankheiten des Auges für practische Ärzte“ (3 Bände, 1851–1856) fand weltweite Verbreitung.

Weiter wurde in Mariaschein der zu seiner Zeit berühmte Maler Ferdinand Laufberger (1822-1881) geboren, der zum Ende seines Lebens als Direktor der Kunstgewerbeschule in Wien wirkte.

Nach der Revolution im Jahre 1848 wurde die Obrigkeitsordnung aufgehoben und schrittweise durch Staats- und Selbstverwaltung ersetzt. Der Stadtmagistrat wurde durch eine gewählte Stadtvertretung mit dem Bürgermeister an der Spitze abgelöst. Graupen, Obergraupen, Rosenthal und Voitsdorf gehörten in den Gerichts- und politischen Bezirk Tepliz, dagegen Mariaschein, Modlan, Hohenstein, Ebersdorf und Marschen in den politischen Bezirk Aussig und den Gerichtsbezirk Karbitz.

Die industrielle Revolution meldete sich schon mit voller Kraft. Während die Graupener Ratsherren, vertieft in die ruhmvolle Vergangenheit und verbunden mit den verfallenden Zinnbergwerken und der handwerklichen Kleinproduktion, diese Stimme nur sehr ungefällig hörten, nutzten die Mariascheiner mit Verständnis das aus, was die neue Zeit anbot. Die Eröffnung der wichtigen Eisenbahn Aussig -Tepliz im Jahre 1858 ermöglichte die Entfaltung des Industrie- und Bergbauunternehmens. 1871 wurde die Eisenbahnstrecke Duchcov-Podmokly beendet. In ihrer Umgebung entstanden Kohlengruben, z.B. Britania I und II zwischen Mariaschein und Probstau, Bohemia bei Modlan und Britania III bei Graupen. Neue Industriebetriebe beeinflussten den Stadtcharakter. 1869 begann in Mariaschein beim heutigen Bahnhof die älteste Zementfabrik in Böhmen zu arbeiten, die bis 1930 im Betrieb war. Zu den gröβeren gehörte auch Rindskopf´s Gerberei, 1910 wurde in Rosenthal die Firma Gebhard und Rahm gegründet, die Schrauben, Schraubenmuttern und Ziehdraht erzeugte. 1921 entstand die Porzellanfabrik in Mariaschein. Die Zinnschächte beschränkten langsam ihre Tätigkeit. Seit 1863 wurde aus ihnen als Nebenprodukt auch Wolfram gewonnen.

Die Industrie und die damit entstehenden Arbeitsgelegenheiten zogen neue Ansiedler an, welche in Mariaschein, Marschen, Hohenstein, Obergraupen und Rosenthal ansässig wurden. Im unweiten Modlan entstand die sog. Schneider-Kolonie, aus der im Verlauf der 80. Jahre ein Stadtviertel Namens Neu Modlan wurde. Bedeutend erhöhte sich die Einwohnerzahl aller Gemeinden, nur Graupen stagnierte. Im Jahre 1880 lebten dort 3000 Personen, in Mariaschein 2246, in Rosenthal 515, in Hohenstein 1255, in Marschen 1314, in Ebersdorf 1189, in Obergraupen 117 und in Voitsdorf 900.

Der Aufstieg von Mariaschein drückte sich in seiner Erhöhung zum Marktflecken im Jahre 1898 aus. Auf seinem Wappen sind Stadtmauern abgebildet. Vor ihnen steht ein Baum mit dem Bild der Mutter Gottes und um seinen Stamm windet sich eine Schlange.

Trotz einer bestimmten Stagnation entzog sich auch das historische Graupen nicht den für die industrielle Gesellschaft spezifischen Änderungen. Im Grund erhielt sich zwar der historische Kern, aber trotzdem entledigte sich die Stadt allmählich ihres mittelalterlichen Charakters. Dazu halfen auch einige Brände, besonders im Jahre 1904, als 43 Häuser abbrannten. Der neue Stadtaufbau verlief in Richtung zur Eisenbahn und zu den Kohleschächten.

Es wurden neue Schulen eröffnet (Mariaschein 1873, Graupen 1894, Hohenstein 1900), der Unterricht im bischöflichen Gymnasium, das sich im Jahre 1913 um einen umfangreichen Zubau vergröβerte, setzte fort. Ende der 90. Jahre wurde die Wasserleitung für Graupen, Rosenthal, Hohenstein und Mariaschein errichtet. Die Stadt wurde an das Post-, Telegraphen-, Straβen- und elektrische Netz angeschlossen. Schon 1859 wurde ein Krankenhaus mit 30 Betten eröffnet. Als der tschechische Schriftsteller Jan Neruda im Jahre 1872 Mariashein (Bohosudov) besuchte, sah er rings um sich die neu entstandene Industriestadt.

Das Industriezeitalter brachte mit sich auch eine Entwicklung des Vereinslebens, der Touristik und der Unterhaltung. Zum beliebten Ausflugsort wurde das Restaurant auf der Wilhelmshöhe, errichtet vom Graupener Bürger N. Beck in den Jahren 1825-1826. Der Ort selbst wurde nach dem deutschen Kaiser Wilhelm I. benannt, der ihn als junger Prinz mit seinem königlichen Vater Friedrich Wilhelm III. besuchte. Als im Jahre 1852 die Straβe aus Krupka auf Mückenberg erbaut wurde, nützte das R. Zechel zum Umbau einer alten Bergbastei in ein Ausflugsrestaurant bei der oberen Station der heutigen Seilbahn (1853) aus. das Restaurant wurde zum beliebten Ziel vieler Ausflüge.

Aktive Rast konnten die Bürger seit 1893 in der Mariascheiner Badeanstalt aufsuchen. Groβen Interesses erfreuten sich die Vorstellungen eines Laientheaters, die bei günstigem Wetter auf der Graupener Burg stattfanden. Den Beigeschmack von etwas Neuem konnte seit 1913 die Besucher des Kinos in Bohosudov erleben. Die Wallfahrtstradition wurde durchgehend erhalten. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstand die Statuengruppe auf dem Kalvarienberg, im Jahre 1905 wurde der ganze Kreuzweg restauriert.

Die gesetzliche Festlegung der Vereinsfreiheit in der Dezemberkonstitution des Jahres 1867 ermöglichte die Tätigkeit zahlreicher Vereine. Die älteste Tradition, die ihre Wurzeln bis im 15. Jh. hatte, gehört dem Deutschen bürgerlichen Schützenverein. 1873 wurden die Statuten eines der ältesten Feuerwehrvereine bei uns genehmigt, weitere freiwillige Feuerwehrvereine entstanden in den umliegenden Orten. Seit 1869 wirkte der Verein der Kriegsveteranen. Weiter kamen in Graupen verschiedene Unterstützungsvereine, der Musikverein, die Dienstaggesellschaft auf der Wilhelmshöhe und die Gesellschaft Wartburg, zusammen. 1880 entstanden der Spar- und Darlehensverein und die Stadtsparkasse, 1886 eine Zweigstelle des Roten Kreuzes und 1919 der Museumsverein.

Ihren Anteil am gesellschaftlichen Leben forderten auch die Arbeiter. Im Jahre 1878 wurde der gewerkschaftliche Bergarbeiterverein gegründet. Die sozialen Probleme dieser Zeit mündeten in einige Konflikte, von denen Graupen und namentlich Mariaschein am meisten der groβe Bergbaustreik im Jahre 1882 betraf. Gegen die Streikenden griffen die Polizei und die Gendarmerie ein. Trotzdem feierten die Graupener schon den 1. Mai 1890 demonstrativ als Feiertag der Arbeit.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang die Welt an den Rand eines Abgrundes. Im Jahre 1914 brach der I. Weltkrieg aus. Die Graupener Deutschen begrüβten ihn erst mit Begeisterung, die jedoch schnell nachlieβ, wie Nachrichten über Tote und Verwundete herankamen. Dazu trat ein wachsender Mangel an Lebensmitteln und die Preise wuchsen in eine ungeheuere Höhe. Die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 brachte Verunsicherung bei der deutschen Bevölkerung. Die Lage löste definitiv erst die Besetzung der Stadt durch die tschechoslowakische Armee. Danach stabilisierten sich die Verhältnisse. Die Wahlen im Jahre 1919 gewannen in der Stadt und in den benachbarten Gemeinden die Sozialdemokraten. In den Stadtrat kamen auch tschechische Vertreter. Die stärkste Opposition bildeten die vereinigten deutschen Nationalparteien. Zu dieser Zeit, konkret im Jahre 1921, hatte Graupen (Krupka) 3882, Mariaschein (Bohosudov) 3704, Rosenthal (Vrchoslav) 666, Hohenstein (Unčín) 1202, Marschen (Maršov) 1314, Ebersdorf (Habartice) 832, Obergraupen (Horní Krupka) 424 und Voitsdorf (Fojtovice) 799 Einwohner. Es entwickelte sich das Vereinsleben, so wurde eine Fortbildungsschule für Bergleute und eine Volkshochschule eröffnet. Bemerkenswert war auch die Tätigkeit des Knabengesangchors aus dem bischöflichen Gymnasium.

Der Antritt der Nazis zur Macht im benachbarten Deutschland im Jahre 1933 beeinflusste tief auch das Geschehen im böhmischen, von vorwiegend Deutschen bewohnten Grenzgebiet.  Das erste Vorzeichen waren Demonstrationen gegen die Eröffnung der tschechischen Schule im Jahre 1934.

Am 7. Mai 1935 genehmigte die Stadtvertretung die Aufnahme des groβen deutschen Schriftstellers Heinrich Mann, die ihm Bürgerrechte im Exil gewährten, in die Gemeinde. Dafür bedankte es sich in einem offenen Brief im "Pariser Tageblatt" am 09.08.1935

Später beherrschten schon die kommunale politische Szene Vertreter der Henleinpartei. Als nach dem Münchener Abkommen am 9. Oktober 1938 Einheiten der Wehrmacht in Graupen einfuhren, begrüβte sie die Mehrzahl der Deutschen.

Trotzdem fanden sich auch Gegner der faschistischen Diktatur. Zur bekanntesten unter den Widerstandskämpfern wurde Herta Lindner (geboren am 3. November 1920 in Mariaschein). Sie wurde am 29.03.1943 von den Nazis in Berlin Plötzensee geköpft. Ihr Vater sollte sie nur zwei Wochen überleben auch er wurde dort hingerichtet. Ihr Denkmal in Bohosudov ist vom Graupener Bildhauer Pavel Karták.

Nach Besetzung des Grenzgebietes mussten aus Krupka und Bohosudov ca. 175 Tschechen ins böhmische Innenland fortgehen. Die nazistische Verwaltung unterstellte alles dem Kriegsgeschehen. Aus dem aufgelösten Gymnasium in Bohosudov wurde eine Polizeikaserne. Zinn und Wolfram wurden erneut gefördert. Es wurden Kriegsgefangenen- und Arbeitslager errichtet. In Krupka, Horní Krupka und Bohosudov waren Russen, Ukrainer, Franzosen, Kroaten, Italiener und Holländer interniert.

Der Krieg verursachte unzähligen Menschen groβes Leid nicht nur in seinem Verlauf, sondern auch leider nach seinem Ende.

Vom letzten Krieg bis zur Gegenwart

Nach Kriegsende dauerte die Erneuerung des normalen Lebens sehr lange. Dies hing vor allem damit zusammen, dass es zu groβen Umsiedlungen der Bevölkerung kam. Bis 1948 wurde die Mehrzahl der Deutschen aus der Stadt vertrieben. Sie wurden auch aus den Berggemeinden Habartice, Mohelnice und Fojtovice ausgesiedelt. Die Bergortschaften entvölkerten sich dadurch und das Leben gelang auf die Dauer, wenigstens im beschränkten Umfang, nur in Fojtovice aufrecht zu erhalten. Allmählich wanderten aus dem inneren Böhmen neue Bewohner ein und fanden hier ihre Heimat. Die meisten Arbeitsgelegenheiten boten zwei Betriebe, und zwar Elektroporcelán in Bohosudov und Šroubárna in Vrchoslav. Beide wurden schon im Jahre 1945 verstaatlicht. 1947 wurde das bischöfliche Gymnasium in Bohosudov erneuert. Seine Tätigkeit dauerte jedoch nicht lange. Im Februar 1948 kam auf lange Zeit die Kommunistische Partei zur Macht, die sich gegenüber der Kirche feindlich verhielt. Im April 1950 wurde das Gymnasium aufgelöst und veränderte sich in ein Internierungslager, in dem 360 Ordensleute ein kümmerliches Dasein führten. 1952 bekam das Areal die tschechoslowakische Armee, die im Jahre 1968 die sowjetische Armee ablöste.

Wenn wir noch einmal das Unaussprechliche, das Krupka zu einer solchen Stadt macht, wie sie ist, erwähnen wollen, so müssen wir sagen, dass von den wesentlichen Attributen ihrer Existenz in den vierziger Jahren die Zinngewinnung definitiv zugrunde ging und in den fünfziger Jahren die Wallfahrtstradition unterdrückt wurde. Es blieben nur die nahen malerischen Berge, besucht von tausenden Touristen und Wanderern. Damit ihnen der Zugang auf den Gipfel des Mückenberges erleichtert würde, wurde in den Jahren 1950-1952 eine Sesselseilbahn in Schweizer Lizenz erbaut. Mit ihren 2348 m Länge (Überhöhung 482 m) war sie damals die längste in Mitteleuropa. Sie dient den Besuchern des östlichen Erzgebirges bis heute noch.

Im Verlauf der langen Nachkriegsjahre kam es zu manchen Verwaltungsänderungen. Seit 1950 gelangten alle Orte, die heute der Bestandteil der Stadt Krupka sind, in den Bezirk Teplice. In diesem Jahre verbanden sich Fojtovice, Habartice und Mohelnice mit Horní Krupka (Habartice und Mohelnice gingen dann in den 50er Jahren unter), Vrchoslav wurde  zu Krupka angeschlossen, Nové Modlany an Bohosudov und Maršov an Unčín. 1961 wurden Bohosudov und Horní Krupka Bestandteile von Krupka und 1980 kam in den Stadtkataster von Krupka noch Soběchleby dazu. Ein umfangreicher Aufbau der Neubausiedlungen in den 60er bis 80er Jahren, besonders im Raum zwischen Bohosudov und Unčín, trug weiters dazu bei, dass aus Krupka eine Stadt mit etwa 13 000 Einwohner wurde.

Ihre Randteile füllten Gartenkolonien aus, in Horní Krupka verbreitete sich das Gebiet der Wochenendhäuser. Für die Wintersportfans gibt es am Mückenberg ein Skiareal. Der Sportbetätigung der Bürger dient der Stadtstadion und die Schwimmhalle. Auch das kulturelle Leben, um das Kulturhaus konzentriert, hinterlässt sichtbare Spuren. In Bohosudov setzt das Laientheater in seiner Tradition fort, es wirkte hier die Blasmusik Švitorka und das Streichorchester von Otakar Trunc. Es wurden Musikkurse unter Leitung des Ehepaars Šebek organisiert, im Kino wirkte das Filmstudio.

Zu wesentlichen Änderungen kam es in der Stadt nach dem Jahre 1989. Sie betrafen das ganze Lebensspektrum der Bürger. Sie äuβerten sich sichtbar an dem besser werdenden Aussehen der Stadt und an den breiten Dienstleistungen. 1991 verlieβ definitiv die Stadt die sowjetische Armee. Die von der Sowjetarmee verlassenen Objekte in Bohosudov waren beschleunigt, mit opfervoller Hilfe der katholischen Kirche und der Bürger wurde das Gebäude des bischöflichen Gymnasiums renoviert und am 1. September 1993 begann hier feierlich der Unterricht. Bei der Gelegenheit der Schuleröffnung wurden die Büsten zweier bedeutender Graupener Musiker enthüllt – von Johann Lohelius Oehlschägel und von Organist Stanislav Šebek. Beide Werke stellte der Graupener Bildhauer Pavel Karták her.    Es wurde auch die Tradition der Marianischen Wallfahrten erneuert.

Die Stadt ist zusammen mit Teplice, Duchcov, Dubí und Osek ein wichtiger Bestandteil der Region, denn sie liegt im attraktiven Raum zwischen dem Erzgebirge und dem Böhmischen Mittelgebirge. Über das nahe Zinnwald-Gebiet führt die internationale Straβe, die Dresden mit Prag verbindet. Krupka wird so zu einem wichtigen Zentrum des Fremdenverkehrs.

Mit dem Ausbau des Grenzüberschreitenden Bergbaulehrpfades bekommen ihre neue Bedeutung auch weitere zwei Momente, die stets den Ortsgenius bildeten, der Zinnbergbau und die Schönheit der Berge. Der Bergbaulehrpfad beginnt am Museum in der Husitská Straβe, wo die naturwissenschaftliche Ausstellung, die historische Exposition, die der Zinngewinnung und der Geschichte der Stadt gewidmet ist und weiter die Ausstellung zur Geschichte des Feuerwehrvereins zu besichtigen ist. Der Pfad führt weiter zur Burg Krupka und zum Besucherbergwerk Alter Martin wovon man bis zum Mückenberg den alten Bergmannsweg, der durch den Wald führt, oder die Straβe, benutzen kann.
Einer der Haltepunkte des Bergbaulehrpfades ist auch die St. Wolfgangskapelle unter dem Mückenberg, die über den Sommer der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Pfad führt weiter am Bergkamm auf das Gebiet der deutschen Städte Altenberg und Geising wo sich auch eine Reihe der Denkmäler des Erzbergbaus befindet.

Dieser Bergbaulehrpfad verbindet also nicht nur die alte Geschichte der Zinngewinnung und Verarbeitung, sondern auch die Bewohner der zwei benachbarten Länder, die Jahrhunderte nebeneinander leben und in vielem die gemeinsame Tradition entwickeln.

Und was ist mit der heutigen Stadt Krupka? Sie lebt ihr alltägliches Leben, in dem sich von Zeit zu Zeit aus dem Dunst der Vergangenheit die Silhouetten berühmter und auch schwerer Ereignisse erheben. Über allem den menschlichen Bemühen rauschen seit jeher die Wälder des Erzgebirges. Und die Menschen und die Stadt suchen weiter nach ihrem Schicksal...